Was Derby bedeutet, wurde letzte Woche hinlänglich ausgeführt. Dass uns in Weitmar eine ähnlich schwere Aufgabe wie gegen Wiemelhausen erwartet, war uns natürlich bewusst und dementsprechend engagiert und couragiert gingen wir in diese Auswärtspartie. Die Anfangsviertelstunde gehörte ausschließlich den Jungs aus dem Königreich, die den Plan verfolgten, Weitmar früh ins Hintertreffen zu bringen. Und die Art wie dies gelang, war mehr als sehenswert. Nach 9 Minuten ließen sich Jussi und Brötzi nicht vom Pressing der Gastgeber aus der Ruhe bringen und fanden die Lücke ins Zentrum. Dort agierte heute Nick, der kurzfristig in die Startelf rutschte und dem Trainerteam das Vertrauen mit einer sehr starken Partie zurückzahlte. Genau dieser Nick war es, der bei der Ansprache vor dem Spiel gut zugehört hatte und den Ball zügig von der rechten Seite auf den linken Flügel verlagerte. Ron nahm Tempo auf und ließ den Ball dabei an seinem Fuß kleben, als sei es das einfachste von der Welt. Der Außenverteidiger stellte sich ihm in den Weg, doch Ron schickte ihn ins Kino, wo er vermutlich immernoch auf die Vorstellung wartet, und jagte die Kirsche danach aus 20 Metern unter die Latte. Zack – 1:0 für Stiepel. Doch je länger die Partie andauerte, desto unsortierter und wilder wurde es auf dem Platz. Wir verloren ein Stück weit die Kontrolle über das Tempo und so ging es viel zu oft und viel zu schnell quer über Platz. Die fehlende Kompaktheit führte zwar nicht dazu, dass wir hinten anfällig wurden, doch unsere Angriffe hatten kaum Struktur. Nach rund 25 Minuten spielten wir dann mal wieder einen geordneteren Angriff. Ein Klatschball von Kanschik auf Nick wurde direkt auf den linken Flügel tief gespielt, wo Mo einlief und den Querpass durch die Box spielte. Seine Hereingabe war allerdings etwas zu scharf und Brötzi kam nicht mehr heran. Erwähnenswert bleiben auf der anderen Seite zwei Aktionen: Einerseits eine schöne Parade von Heini, der heute mit Bravour Köppen vertrat, und andererseits eine Rettungsaktion von Janni kurz vor der Linie, als eine Unstimmigkeit zu einem Schuss auf ein weitestgehend verwaistes Tor führte. Als die erste Halbzeit sich dann so langsam Richtung Ende neigte, überschlugen sich nochmal die Ereignisse. Einen Eckball von links zogen die Gastgeber an den Fünfmeterraum, Heini kam zwar noch heran, doch seine Abwehr landete im Getümmel, aus dem ein Spieler der Gastgeber humorlos einnetzte. Doch unsere Reaktion war überragend: Wir besinnten uns nochmals auf die Vorgaben und fanden kurzzeitig wieder in unsere Struktur. Wieder war es Nick der den Angriff einleitete: Im Zentrum von zwei Gegnern nicht nur gestört, sondern eigentlich auch gefoult, blieb er auf den Beinen und spitzelte den Ball nach rechts, wo Berki geistesgegenwärtig den flachen Vertikalball auf Brötzi spielte. Der Außenverteidiger kam nicht mehr hinterher und Brötzi servierte butterweich auf den zweiten Pfosten, wo Ron seinen Doppelpack schnürte. Hiernach durften wir verdient mit einer Ein-Tor-Führung in die Halbzeitpause gehen.
Die zweiten 45 Minuten waren ähnlich packend. Die Temperaturen setzten beiden Mannschaften zu, war man in den letzten Monaten ja doch eher sibirische Kälte gewohnt. Wir waren um etwas mehr Spielkontrolle bemüht und konnten die Gäste auch weiterhin ganz gut vom eigenen Tor fernhalten. Wenn lange Bälle gespielt wurden, konnten Emil Und Janni diese zumeist in der Luft entschärfen. Zweite Bälle fanden zwar leider zu oft den Weg zum Gegner, doch spielerisch fand Weitmar keine Lösungen. Bestraft worden wären wir trotzdem fast, als Jussi einen Rückpass zu Heini spielen wollte, doch den Ball nicht richtig erwischte. Für Heini zu kurz, für Jussi zu lang und den Zweikampf, in dem Jussi sich vor den Gegner schob, bewertetet der Schiri als Foul. So gab es den Strafstoß. Doch wie es sich in einer guten WG gehört, bügelt man auch mal etwas für den Mitbewohner aus und Heini konnte den Elfmeter in seine rechte untere Ecke sicher festhalten. Damit avancierte er bereits zu einem der Helden in diesem Spiel, denn wie wichtig dieser gehaltene Elfmeter war, zeigt nicht nur das blanke Ergebnis. Wir wollten jetzt nochmal mit Tempo auf den Flügeln nachlegen, vor allem aber gegen den Ball mit Tempo für eine gute Restabsicherung sorgen. Daher kamen Fynn und Pascal für Jussi und Marino ins Spiel. Auch Nick bekam die wohlverdiente Pause und wurde durch Lippe ersetzt, der die Regulierung der Abstände im Zentrum und die Widerherstellung der spielerische Ruhe zum Auftrag hatte. Wir lauerten nun darauf, Pässe abzufangen und bei Balleroberungen schnell umzuschalten. Die erste nennenswerte Chance dieser Art bekam Mo, doch nach dem Ball von Brötzi pfiff der Schiri abseits. Mindestens knapp… Im Gegenzug gab es dann die eiskalte Dusche. Wieder Eckball für Weitmar, diesmal lang auf den zweiten Pfosten, Kopfballablage ins Zentrum und ein Flachschuss ins lange Eck. Der Ausgleich, der sich bitter und vermeidbar anfühlte, aber zu diesem Zeitpunkt auch nicht gänzlich unverdient war. Kurz darauf sollte nun auch Paul dabei mithelfen, das Spiel wieder in unsere Richtung zu ziehen und kam für Kanschik in die Partie. Seine Spieldauer hielt sich aber in Grenzen, denn mit Verdacht auf Muskelfaserriss musste Pauletta bereits nach wenigen Minuten wieder herunter. Es kam unser Kapitän, der frisch und ausgeruht aus dem Urlaub zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Also arbeitete nun auch Felix am gemeinsamen Erfolg. Ein Beispiel hierfür ist seine Balleroberung an der Mittellinie und der Start des Tiefenlaufes mit Ball. Gestört von zwei Abwehrspielern bekam Felix den Ball zu Mo rübergelegt, der die Murmel durch die Hosenträger des Keepers zum 3:2 legte. Denkste. Wieder abseits. Wieder sehr knapp. Wir glaubten weiterhin an uns und erspielten uns, vor allem über die linke Seite, immer wieder Torraumszenen. Einzig der letzte Pass fand sein Ziel nicht. Als dann doch mal das Leder bei Ron ankam, dribbelte sich unser linker Flügel stark durch die Defense, scheiterte aber am Keeper der Gastgeber. Es war nun schwer für uns eine gesunde Balance zu finden, die uns einerseits nicht ins offene Messer laufen lässt, andererseits aber auch dazu führt, dass wir offensive Durchschlagskraft entwickeln. In den letzten Minuten fanden wir aber einen gemeinsamen Weg und wir arbeiteten im Kollektiv am Führungstreffer. Die dickste Chance hatten wir in der 89. Minute. Ein bisschen Gewühl im Strafraum, Felix` Abschluss wurde gehalten, Brötzi traf den Pfosten und irgendwie wurde jeder Versuch noch geblockt. Doch dann hatte der Fußballgott ein Nachsehen mit uns. Vielleicht das Glück des Tüchtigen, aber auf jeden Fall hat man gemerkt, dass jeder Einzelne bis zur letzten Sekunde an den Sieg geglaubt hat und alles dafür gegeben hat. Und so wurden wir endlich belohnt. Dieses Mal rollte der Angriff über die rechte Seite von Fynn. Brötzi wurde an der Box freigespielt und legte quer auf Felix und mit aller Entschlossenheit wurde das Leder vom Leader über die Linie bugsiert! Der Siegtreffer in einer wilden und nervenaufreibenden Partie, der uns nun endgültig in die Lage bringt, uns nächste Woche die Tabellenführung zu holen. Ganz starke Moral, gepaart mit Glauben und unbändigem Willen haben das ermöglicht und auch erlaubt, dass über 90 Minuten vielleicht manchmal nicht alles gelingt, was man sich so vornimmt. Aber ein gutes Pferd springt eben nicht höher, als es muss…
Aufstellung: Bäumer – Monstadt (64. Ewelt), J.-L. Nast, E. Amediek, Ivakovic (64. Grundmann) – Busse (56. Lippens), Berk, M. Amediek, Brötz, Bruckhaus – Kanschik (64. Askemper, 72. Narberhaus)
Alles angerichtet zum Topspiel an der Kemnader Strasse: Nächsten Sonntag empfangen wir den Tabellenführer aus Witten-Stockum, der uns im Hinspiel mit einer empfindlichen 4:1 Niederlage nach Haus geschickt hat. Es geht um nicht weniger als den Platz an der Spitze der Kreisliga A2. Wir brauchen also jede Unterstützung, die wir bekommen können, um unseren Lauf fortzuschreiben und dieses ambitionierte Ziel gemeinsam mit der RWS-Familie zu erreichen. Kommt vorbei! 15:15 gehts los!
Glück auf und NUR DER RWS!