Ekstase in allerletzter Sekunde beim Auswärtssieg in Linden

Auf dem Papier war es gestern allemal ein Topspiel. Bezirksliga-Absteiger gegen den Vorjahres-Zweiten und somit zwei Teams, die den Anspruch haben, im oberen Tabellendrittel zu landen. Bei drückend warmen Temperaturen empfing uns der CSV Linden auf dem großen, heimischen Rasenplatz und setzte uns mit Beginn der Partie fortwährend unter Druck. Hohes Pressing vom Gegner und unzureichende Abstände in den eigenen Reihen sorgten dafür, dass wir gerade zu Beginn große Schwierigkeiten hatten. Hinzu kam, dass unser Passspiel über das ganze Spiel ungewöhnlich schwach war – zu ungenau und unsauber spielten wir im eigenen Ballbesitz und erzeugten dadurch viele Ballverluste. Die erste brenzlige Situation überstanden wir nach guten 5 Minuten, als ein langer Ball über unsere Kette hinweg flog und sich der gegnerische Angreifer mit Ball auf den Weg zu Köppens Bude machte. David störte noch im Abschluss, doch Köppo musste trotzdem glänzend reagieren, was er auch tat. Er zog den Arm hoch und blockte den Abschluss aus kurzer Distanz. Wenig später lagen wir dennoch zurück. Ärgerlich, weil absolut vermeidbar und nicht vom Gegner herausgespielt, aber auch sowas gehört zum Fußball leider mal dazu. Ein Halbfeldfreistoß flog in die Box, Köppo eilte lautstark aus seinem Kasten, doch David kam nicht mehr wirklich von der Stelle. Also flog ihm die Kugel auf den Kopf, von dort im hohen Bogen auf den langen Pfosten und ein Lindener sagte „Danke“. Ein Fernschuss nach rund 10 Minuten von Robin war alles, was wir dem Gegner in dieser Anfangsphase entgegensetzen konnten und wir spürten, dass wir etwas ändern mussten. Gleichzeitig merkte man den Gastgebern auch an, dass deren Pressing viel Kraft gekostet hat und in der Folge zogen sie sich etwas weiter zurück und ließen uns mehr gewähren als noch zu Beginn. Das half uns, um etwas mehr Sicherheit mit dem Ball zu gewinnen und uns in dieses Spiel hereinzuarbeiten. Ein schöner Ball von Nici auf den zweiten Pfosten zu David sorgte erstmals für richtig Torgefahr, doch David wurde schnell von zwei Gegenspielern gestört und konnte nur noch eine Ecke herausholen. Paul bekam nun ebenfalls deutlich mehr Bälle, die er im letzten Drittel festmachen konnte und uns folglich Entlastung sowie offensive Situationen bescherte. Wirklich zwingend wurde es aus unterschiedlichen Gründen trotzdem nicht: Mal rückten wir zu behäbig nach, mal fanden unsere Pässe keinen Mitspieler und wenn wir dann doch mal abschließen konnten, gingen die Bälle deutlich drüber oder locker in die Arme des Keepers.

Nach der Halbzeitpause wollten wir den Spieß umdrehen und die Erkenntnisse aus Durchgang Nummer eins zu unseren Gunsten verwerten. Da auch die Gastgeber Schwierigkeiten im Passspiel unter Druck hatten, entschlossen wir uns, weiter nach vorne zu schieben und den Gegner früh unter Druck zu setzen. Daher entschloss sich das Trainerteam einen Wechsel in der IV vorzunehmen und mit Fynn einen ausgeruhten, flinken Spieler ins Zentrum zu stellen. Joshi, der ein gutes Spiel machte, aber über Schmerzen am Knöchel klagte, blieb dafür draussen. Im Ergebnis unserer Veränderungen kamen wir sofort zu ersten Möglichkeiten und Paul sorgte für den Ausgleich. Als Nicis Versuch zur Ecke abgewehrt wurde, brachte er das Leder scharf an den Fünfmeterraum, wo Paul sich in den Ball hineinwarf. Sein Kopfball wurde noch abgefälscht und trudelte ins Netz. Dies setzte sofort neue Kräfte bei uns frei und kurz danach gab es wieder eine Ecke von der rechten Seite. Dasselbe Muster – Paul ließ die Kirsche über den Hinterkopf rutschen – Latte. Beinahe der Doppelschlag. Jetzt entwickelte sich ein munteres Spiel, bei dem beide Teams versuchten, die Weichen auf Sieg zu stellen. Auch aufgrund der äußerlichen Rahmenbedingungen ergaben sich auf beiden Seiten immer wieder Räume, was zu einem extrem laufintensiven Duell führte. Wir nahmen also weitere Wechsel vor und behielten die offensivere Ausrichtung bei. Kanschik ersetzte Nici auf der 10 und Felix kam vorne rein für Paul. Leider mussten wir auch defensiv nochmal wechseln, weil Fynn sich an den Oberschenkel fasste. Hier musste Berki in die Bresche springen, der zwar in der IV spielen kann, dies aber lange nicht tun musste und sich weiter vorne auch deutlich wohler fühlt. Um es vorwegzunehmen: Auch wenn die neue IV einige Schwierigkeiten hatte, konnten Sie gemeinsam mit dem Rest des Teams alle Angriffe verteidigen und dass die Einwechslung von Berki noch etwas weiteres Wunderbares für uns bereithielt, wird gleich erzählt. Doch erstmal weiter: Auch Ron bekam noch 25 Minuten Spielzeit und ersetzte Chris, um neues Tempo und Spielwitz auf den linken Flügel zu bringen. Wie in der Vorwoche wechselte Pascal, der sich bis zum Ende aufopferungsvoll in jedes Laufduell stürzte, eine Position nach hinten. Auf beiden Seiten gab es nun immer wieder verheißungsvolle Konter bzw. Angriffe mit entsprechend viel Raum. Den besten hatten wir, als David Jussi im Rückraum fand. Der Abschluss sorgte aber eher für die nächste Sonnenfinsternis als für Torgefahr. Auch im Ausspielen der weiteren Angriffe fehlten Präzision im Passspiel oder Klarheit in der Struktur – beides Dinge, an denen wir weiter arbeiten müssen. Als sich dann beide Mannschaften mit dem Unentschieden weitestgehend abgefunden hatten, ergab sich nochmal eine Chance für Felix im linken Halbfeld. Im Zweikampf mit dem Gegner ließ er nicht locker, bis er sich durchgesetzt hatte und nur mit einem Foul gebremst werden konnte. Es gab also einen letzten Halbfeldfreistoß vom Sechzehnereck. Robin nahm sich das Leder und zog es scharf vor den Torwart, Berki rauschte rein und beförderte die Kirsche mit der Schulter ins gelobte Land! Bääääm! Danach war Schluss und der Schiedsrichter pfiff nicht einmal mehr den folgenden Anstoß an. Dieser Last-second-win hat extrem viele Körner gekostet und wurde im wahrsten Sinne „auf der letzten Rille“ eingefahren. Moral und Einsatz haben absolut gestimmt, auch wenn wir uns spielerisch sicher deutlich besser verkaufen können. Dennoch haben wir den ersten Härtetest gemeistert und sind mit 6/6 gestartet.

Aufstellung: Köppen – Herlitze (66. Bruckhaus), J. Nast (46. Ewelt / 61. Berk), L. Sollik, Monstadt – Baatz, Beinhoff, Jürgens (56. Kanschik), Schulz, Grundmann – Askemper (61. Narberhaus)

Nächste Woche steht wieder ein Heimspiel an. Zu Gast sind die Aufsteiger vom CFK Bochum, die auf ihre ersten Punkte hoffen. Wir wollen unseren gestrigen Sieg aber veredeln und werden wieder einmal unser Herz auf dem Platz lassen. Wer sich das anschauen möchte ist herzlich eingeladen um 15:15 Uhr an die Kemnader zu kommen.

Glück auf und NUR DER RWS!

Ekstase in allerletzter Sekunde beim Auswärtssieg in Linden

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